Pressemitteilung

Mittelstand: Ohne Finanzierung droht Personalabbau

Die weltwirtschaftliche Lage ist angespannt. Der bevorstehende Brexit, Chinas gebremstes Wachstum und Zollstreitigkeiten mit den USA trüben die Prognosen der Volkswirte. Trotzdem befindet sich die finanzielle Situation im deutschen Mittelstand kontinuierlich auf gutem Niveau. Nicht zuletzt die Inlandsnachfrage hat Ende vergangenen Jahres ein positiveres Ergebnis hervorgerufen, als dies lange Zeit prognostiziert wurde. Dazu trägt dieses Jahr die EZB weiter bei, die den Leitzins auch für die kommenden Monate auf historisch niedrigem Niveau hält. Und genau jetzt sollten Unternehmen handeln und sich um finanzielle Mittel bemühen. COMPEON, das Expertenportal für gewerbliche Finanzierungen, hat in der großen Studie „Mittelstandsfinanzierung“ knapp 600 Geschäftsführer und Entscheider aus dem Mittelstand befragt. Eines der Ergebnisse: Verweigern Banken eine Finanzierung, sind die Folgen schwerwiegend – sogar Personalabbau droht!

Status Quo im Mittelstand: Investieren oder abwarten?

Mittelständische Unternehmen stecken oft in einer Zwickmühle: In guten Zeiten benötigen sie keine Kredite – in schlechten Zeiten erhalten sie keine. „Unternehmen sollten jetzt ihre Hausaufgaben machen und sich nicht auf ihrem Erfolg ausruhen. Auch wenn die Ausgangssituation durch die gute Auftragslage und ausgelastete Beschäftigung positiv ist, ist gerade jetzt eine Phase, in der Unternehmen weitere Finanzierungspartnerschaften aufbauen sollten. Nur so lassen sich Puffer für schlechte Zeiten schaffen“, sagt Nico Peters, Geschäftsführer von COMPEON.

 

»Auch wenn die Ausgangssituation durch die gute Auftragslage und ausgelastete Beschäftigung positiv ist, ist gerade jetzt eine Phase, in der Unternehmen weitere Finanzierungspartnerschaften aufbauen sollten.«

Dr. Nico Peters,
CO-Geschäftsführer von COMPEON

 

Viele Unternehmen berücksichtigen diesen Rat: Laut aktueller Studie zur Mittelstandsfinanzierung in Deutschland haben 82,1 % der befragten Unternehmen mindestens zwei geschäftliche Bankverbindungen (zum Vergleich: 2017 waren es 72 %). Unternehmen stellen ihre Finanzierung breiter auf und sind offen für neue Anbieter.

Nicht gewährte Finanzierungen bereiten dem Mittelstand große Probleme

Mit der Anzahl potenzieller Finanzpartner steigt für Unternehmen auch die Chance, eine Finanzierung zu passenden Konditionen zu finden. Finanzierungen wie z. B. Kredite sind für viele Unternehmen ein wichtiges Wachstumsinstrument und werden nicht selten zum entscheidenden Faktor für die Zukunft. Die COMPEON-Befragung zeigt: Wird eine Finanzierung nicht gewährt, stehen auch große Unternehmen vor massiven Problemen:

• Fast zwei Drittel der Befragten der Studie haben bereits negative Auswirkungen im eigenen Unternehmen gespürt (61,7 %): 29,3 Prozent der Befragten konnten geplante Innovationen nicht umsetzen.
• Weitere 21,3 % konnten Aufträge nicht annehmen, 17,4 Prozent beklagen als Folge einen Umsatzrückgang.
• Für 13,2 % der Unternehmen resultierte aus einer nicht gewährten Finanzierung sogar Personalabbau.

Unternehmen, die 2018 mehr als 10 Millionen Jahresumsatz erwirtschaftet haben, spüren die Folgen nicht gewährter Finanzierung sogar noch stärker – die Wahrscheinlichkeit eines Personalabbaus ist hier mit mehr als 17 Prozent noch höher.

 

Von den Großen lernen

Um die Folgen nicht gewährter Finanzierungen zu minimieren, setzen Unternehmen mit höherem Jahresumsatz auf einen breiten Finanzierungsmix. Der Vorteil: Durch spezialisierte Finanzierungslösungen wie Factoring oder Finetrading nutzen diese Unternehmen die besonderen Vorteile der jeweiligen Finanzierungsform bei gleichzeitiger Kosten- und Geschwindigkeitsoptimierung. Kleineren Unternehmen fehlt hier oft das nötige Know-how. 2018 nutzten kleinere Unternehmen hauptsächlich Produkte wie Darlehen (55 %), Leasing (33,3 %) und den Kontokorrentkredit (27,4 %) und begrenzten dadurch nicht nur den eigenen Spielraum, sondern insbesondere auch die Reaktionszeit, bspw. wenn ein Auftrag vorfinanziert werden musste.

Dabei ist gerade Schnelligkeit neben einem niedrigen Zins einer der drei wichtigsten Aspekte in Bezug auf eine Unternehmensfinanzierung. Die Mehrheit der Befragten gab mit 58,6 Prozent an, dass eine schnelle Finanzierungentscheidung der wichtigste Aspekt bei einer Finanzierunganfrage sei – noch vor einem niedrigen Zinssatz (56,4 %) und einem kompetenten Ansprechpartner beim Finanzanbieter (51,8 %).

Nachholbedarf bei alternativen Finanzierungsmöglichkeiten

Alternative Anbieter als Ergänzung zur Hausbank sind für viele Unternehmen aktuell oft noch keine Option. Factoringgesellschaften, Crowdfinanzierer und Co. sind die Schlusslichter bei der Frage, auf welche Finanzierungsdienstleister Unternehmen schon einmal zurückgegriffen haben. Rund ein Zehntel der Befragten gab an, sie hätten schon mal ein Fintech wie Crowdfinanzierer oder Online-Plattformen für eine Finanzierung genutzt (9 %). Mit 19,1 Prozent greifen Unternehmen aus dem produzierenden und verarbeitenden Gewerbe mehr als doppelt so häufig auf die Dienste von Fintechs zurück.
In der COMPEON Mittelstandsfinanzierungsstudie vom Vorjahr gaben 80 Prozent der Unternehmen an, einer Nutzung von FinTechs gegenüber aufgeschlossen zu sein. Denn gerade Online-Finanzplattformen können Unternehmen helfen, schnell passende Finanzierungslösungen durch die Anbindung an eine Vielzahl von Finanzpartnern zu erhalten.

Fazit: Finanzierung nutzen, bevor es zu spät ist

Auch wenn die wirtschaftliche Lage aktuell gut ist, sollten Unternehmen jetzt ihre Finanzierungsstruktur überarbeiten und nach zukünftigen Finanzpartnern suchen. „Unternehmen müssen sich jetzt für die kommenden Jahre rüsten. Die Konjunkturprogramme laufen auf Hochtouren, aus allen Quellen erhalten Unternehmen günstig finanzielle Mittel, die sie jetzt in Investitionen pumpen sollten. Denn wenn eine neue Krise einsetzt – beispielsweise durch einen ungeordneten Brexit – dann gibt es nur wenige geldpolitische Mittel im Markt, um dieser Krise entsprechend entgegenzuwirken“, erklärt Nico Peters.