Das Lastschriftverfahren

Das Lastschriftverfahren ist ein Teil des Zahlungsverkehrs und wird im Bankenbereich schon seit Jahrzehnten genutzt. Im Unterschied zur Banküberweisung ergreift beim Lastschriftverfahren nicht der Zahlungspflichtige die Initiative, sondern stattdessen wird der fällige Betrag vom Zahlungsempfänger, der gleichzeitig Gläubiger der Schuld ist, veranlasst. Die Banken müssen allerdings zustimmen, dass der jeweilige Kunde am Lastschriftverfahren teilnehmen darf.

Wie funktioniert das Lastschriftverfahren in der Praxis?

Kennzeichnend für das Lastschriftverfahren ist zunächst einmal, dass der Zahlungsempfänger eine Vereinbarung mit seiner Bank trifft, dass er überhaupt Lastschriften einziehen darf. Die Bank geht damit nämlich ein gewisses Bonitätsrisiko ein, denn Zahlungspflichtige haben aus verschiedenen Gründen in der Regel mehrere Wochen Zeit, einer Lastschrift zu widersprechen, da es durchaus passieren kann, dass die Gutschrift auf dem Konto des Zahlungsempfängers wieder rückgängig gemacht wird. Eine Lastschrift darf ausschließlich dann eingezogen werden, wenn eine Einzugsermächtigung seitens des Zahlungspflichtigen vorliegt.

Dieser muss also dem Zahlungsempfänger schriftlich bestätigen, dass er von seinem Konto einen bestimmten Betrag einziehen darf. Grundsätzlich wird zwischen dem Lastschrifteinzug mit und ohne Widerspruch unterschieden, wobei die zuletzt genannte Variante eher unüblich ist. Seit vielen Jahren werden hierzulande mehr Transaktionen per Lastschrift als per Überweisung getätigt, was insbesondere daran liegt, dass zum Beispiel die meisten Versicherungsgesellschaften die Beiträge ihrer Versicherungsnehmer per Lastschrift einziehen.

Historie: Abbuchungsverfahren und Einzugsermächtigungsverfahren

Ursprünglich gab es beim Lastschriftverfahren zwei Varianten, nämlich zum einen das Einzugsermächtigungsverfahren, welches wir im vorherigen Abschnitt bereits erläutert haben. Zum anderen existierte das Dauerabbuchungsverfahren. Der Unterschied bestand darin, dass der Zahlungsempfänger beim Abbuchungsverfahren – im Gegensatz zum Lastschrifteinzugsverfahren – kein Widerspruchsrecht hatte. Das Dauerabbuchungsverfahren hat allerdings mittlerweile in der Praxis insbesondere seit der SEPA-Lastschrift keine Bedeutung mehr bzw. wurde durch zwei SEPA-Verfahren ersetzt.

Europäisches Lastschriftverfahren SEPA

Seit geraumer Zeit gibt es nicht nur die SEPA-Überweisung, die im gesamten EU-Raum verpflichtend ist, sondern darüber hinaus auch die SEPA-Lastschrift. SEPA steht übrigens für „Single Euro Payment Area“ (Einheitlicher Euro Zahlungsverkehrsraum), der es insbesondere zum Ziel hat, Zahlungen innerhalb der EU zu vereinfachen. Dies betrifft eben nicht nur die SEPA-Überweisung, sondern auch die SEPA-Lastschrift. Seit Einführung der SEPA-Lastschrift ist das zuvor erwähnte Abbuchungsverfahren nicht mehr existent, denn es ist durch die sogenannte Firmen-Lastschrift ersetzt worden.

In der Praxis unterscheidet man bei der SEPA-Lastschrift daher heute zwei Verfahren, nämlich die sogenannte Basis-Lastschrift für den Privatkundenbereich sowie die Firmen-Lastschrift, die von Geschäftskunden genutzt wird. Beim SEPA Lastschriftverfahren als Basisvariante hat sich im Vergleich zum früheren Einzugsermächtigungsverfahren nicht allzu viel geändert. Lediglich die einzuhaltenden Fristen sind etwas anders, wann zum Beispiel Lastschriften dem jeweiligen Kreditinstitut vorliegen müssen. Während das frühere Abbuchungsverfahren auch zwischen Geschäfts- und Privatkunden genutzt werden konnte, gilt die heutige SEPA Firmen-Lastschrift ohne Einschränkung nur für den Geschäftsverkehr, der zwischen zwei Geschäftskunden stattfindet. Weiterhin besteht allerdings auch bei der Firmen-Lastschrift kein Widerspruchsrecht, wie es bei früheren Abbuchungsverfahren ebenfalls der Fall gewesen ist.