Venture Capital

Als Venture Capital bezeichnet man Wagnis- oder Risikokapital. Aufgrund des hohen Risikocharakters ist diese Finanzierungsform vor allem für den Venture Capital Geber in der Regel mit einem erhöhten Verlustrisiko verbunden. Entweder vermehrt sich das investierte Kapital des Investors oder es geht ggf. sogar vollkommen verloren. Venture Capital stellt in der Regel keine Fremdfinanzierung, sondern eine Finanzierung ins Eigenkapital dar. Venture Capital kann als eine Art Starthilfe für junge Unternehmen verstanden werden. Das Ziel des Venture Kapital Gebers ist es dabei natürlich, das Kapital zu erhöhen. Aufgrund des hohen Verlustrisikos gilt dabei als Faustregel, dass von zehn Deals, die ein Venture Capital Geber eingeht, mindestens drei erfolgreich sein müssen, um die Gesamtinvestments profitabel zu gestalten. Durch Venture Capital werden dem jungen Unternehmer in der Regel jedoch nicht nur finanzielle Mittel verschafft, sondern auch Hilfestellung bei auftretenden Problemen gegeben. Die Venture Capital Geber treten in diesem Fall gleichzeitig auch als Sparringspartner und Coach für die Gründer auf.

Private Equity und Venture Capital

Venture Capital wird häufig in so genannten Venture Capital Fonds gebündelt und so jungen Unternehmen zur Verfügung gestellt. Die Anteile an diesen Venture Capital Fonds werden an Investoren verkauft. Bei den Unternehmen, in die Venture Capital Fonds investieren, handelt sich meist um neue vielversprechende Startups, die über wenig finanzielle Sicherheit, aber dafür über hohes Entwicklungspotenzial verfügen. Dabei lassen sich vier typische Finanzierungsphasen erkennen:

  • Gründung/Pre-Seed: Noch wichtiger als das Kapital ist das Potenzial.
  • Seed: Der Markteintritt wird vorbereitet. Ein Team wird zusammengestellt. Hier muss Kapital vorhanden sein, um die Gehälter zahlen zu können.
  • Startup-Phase: Nun verwirklicht sich die Geschäftsidee. Gibt es bereits Marktakzeptanz? Marketing muss finanziert werden. Häufig benötigen Gründer in dieser Phase Unterstützung bei auftauchenden Fragen.
  • Wachstumsphase: Das Unternehmen entwickelt sich. Es muss behutsam wachsen, um selbst mit dem Wachstum Schritt halten zu können.

Venture Capital Gesellschaften verteilen die Investitionen auf verschiedene Regionen, Branchen und Technologien, um das vorhandene Risiko zu senken: Investiert ein Venture Capital Geber zu stark in eine bestimmte Branche, erhöht das sein Verlustrisiko, falls diese Branche sich als nicht gewinnbringend herausstellt. Die Managementunterstützung wird von den Anleger-Gesellschaften gewährt. Die letzte Stufe ist der Exit. Dabei werden Anteile gewinnbringend zurück an den Gründer verkauft oder ein neuer Anleger steigt in das Unternehmen ein.

Große Unternehmen gründen Venture Capital Fonds

Große Konzerne unterhalten heute vermehrt eigene Venture Capital Fonds, um sich an Technologien und Geschäftsideen von jungen Unternehmen und Startups zu beteiligen. Neben der Bereitstellung von Kapital wird die Zusammenarbeit gefördert. Das notwendige Know-how des Konzerns, in Verbindung mit dem Potenzial und frischer Ideen der Jungunternehmer, ist Anreiz für diese Konzerne, sich an der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung zu beteiligen. EIF – der europäische Investitionsfonds – fokussiert sich darauf, ein Risikokapital-Ökosystem in Europa zu erhalten, welches Venture Capital Unternehmen fördert. Bestimmte Branchen sind dabei besonders häufig im Fokus von Venture Capital Gebern und nutzen diese Form der Finanzierung gerne, um das eigene Unternehmen voran zu bringen:

  • Biochemie
  • Finanztechnologie
  • E-Commerce
  • digitale Gesundheit
  • Telekommunikation
  • Hightech
  • Photovoltaik

Ertragspotenziale

Gewinne und Erfolge zeichnen sich im Bereich Venture Capital meist erst nach mehreren Jahren ab. Sollte die Geschäftsidee so positiv entwickeln, wie vom Gründer und den Investoren prognostiziert, kann es für das junge Unternehmen und damit auch für die Venture Capital Investoren durchaus auch zum Totalverlust der Investition kommen. Prognosen oder Vorhersagen sind, wie beim Börsengeschäft, nicht als Garantie anzusehen. Die Erfahrungen und das Know-how erfahrener Unternehmer sind im Venture Capital Bereich unentbehrlich und verhelfen so häufig zum Erfolg.

Wie sieht die Hilfe der Geldgeber aus?

In aller Regel investieren Venture Capital Geber deutlich mehr als nur Geld in die jungen Startups. Häufig unterstützen die Venture Capital Geber die Unternehmen mit weiteren Leistungen und dem eigenen Fachwissen. Die Unterstützung der Investoren kann dabei wie folgt aussehen:

  • Hilfe im Tagesgeschäft
  • Unterstützung bei der strategischen Ausrichtung
  • Beratung beim Aufbau des Unternehmens
  • Vermittlung von Partnerschafts- und Geschäftskontakten

Kapitalanleger

Venture Capital Fonds stellen für junge Unternehmen eine bedeutende Finanzierungsquelle dar, um die Ziele in finanzieller Hinsicht verwirklichen zu können. Die Aufnahme von Bankkrediten ist für Startups in frühen Phasen häufig keine Lösung, da traditionelle Finanzdienstleister diese Art der Risikofinanzierung scheuen. Die Form der Beteiligung der Venture Capital Geber an einem Startup wird vertraglich festgelegt und hat keine standardisierten Richtlinien. Das Kapital wird meist benötigt, um die Produktentwicklung zu beschleunigen oder neue Märkte zu erschließen. Die Gründer dieser jungen Unternehmen müssen das Kapital, sollte das Unternehmen Schiffbruch erleiden, nicht zurückzahlen. Als Eigenkapitalgeber tragen die Investoren alle Verlustrisiken – genau wie alle Gewinnchancen – mit. Wenn das Unternehmen erfolgreich ist, haben die Geldgeber häufig eine hohe Gewinnbeteiligung. Die Fonds können also trotz einiger scheiternder Unternehmen mit den Startups, die Gewinne erwirtschaften oder hohe Verkaufspreise erzielen, das Gleichgewicht halten.

Nachteile für den Venture Kapitalnehmer

Da die Venture Capital Geber das volle Verlustrisiko mittragen, lassen sie sich vertraglich meist umfangreiche Mitspracherechte im Unternehmen zusichern. Dies muss ein Gründer bei der Aufnahme von Venture Capital Gebern in den Gesellschafterkreis stets beachten.