Abschreibung

Kurz erklärt: Unter einer Abschreibung wird eine kalkulatorische bzw. steuerliche Wertminderung betrieblicher Vermögensgegenstände verstanden.

Was ist eine Abschreibung?

In einem Unternehmen weisen die meisten Anlagegüter nur eine begrenzte Nutzungsdauer auf, da sie einer natürlichen Abnutzung unterliegen. Das gilt oft auch für hochwertige Wirtschaftsgüter, die mit hohen Anschaffungs- oder Herstellungskosten verbunden sind. Die Absetzung der Kosten wird durch das Handelsrecht sowie das Steuerrecht sehr genau geregelt. Durch das Prinzip der Abschreibungen wird festgelegt, das in jedem Jahr nur ein Teil der Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten des Wirtschaftsgutes von der Steuer abgesetzt bzw. in der Gewinn- und Verlustrechnung sowie dem Jahresabschluss eines Unternehmens als Kosten angesetzt werden darf.

Die Abschreibung erfolgt in den Jahren, in denen das Wirtschaftsgut genutzt wird – Absetzung für Abnutzung (AfA). Es bestehen Tabellen für eine planmäßige Abschreibung eines Wirtschaftsgutes, die sogenannten AfA-Tabellen. Diese stellen die Nutzungsdauer der verschiedenen Wirtschaftsgüter exemplarisch dar.

Wer darf eine Abschreibung vornehmen?

Derjenige, dem das Abschreibungsobjekt zuzurechnen ist, darf handelsrechtlich die Abschreibung vornehmen. Steuerrechtlich hat grundsätzlich der bürgerlich-rechtliche Eigentümer die Berechtigung, die Abschreibung vorzunehmen. Sollten das rechtliche und „wirtschaftliche“ Eigentum auseinander fallen, dann liegt die AfA-Berechtigung beim wirtschaftlichen Eigentümer.

Warum muss eine Abschreibung vorgenommen werden?

Die Abschreibung nach dem Einkommenssteuergesetz

Abschreibungen sind vom gesetzlich geregelt. Bei Wirtschaftsgütern muss gemäß § 7 Abs. 1 Satz EStG (Einkommenssteuergesetz) eine gleichmäßige Verteilung der Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten über die Jahre der Nutzungsdauer erfolgen, solange diese für die Erzielung von Einkünften im Einsatz sind. Dabei dürfen die Anschaffungs- und Herstellungskosten der Wirtschaftsgüter ein gewisses Maß nicht unterschreiten. Eine gleichmäßige Verteilung der Absetzung über die Zeit der Nutzungsdauer stellt sicher, dass die lineare AfA dem gesetzlichen Regelfall entspricht. Die früher ebenfalls gebräuchliche degressive Abschreibung darf nicht mehr angewandt werden, sofern die Wirtschaftsgüter nach 2010 erworben wurden.

Die Abschreibung nach dem Handelsgesetzbuch

Auch von den Bewertungsgrundsätzen des HGB der im Jahresabschluss ausgewiesenen Vermögensgegenstände wird eine planmäßige Abschreibung für Unternehmen vorgeschrieben (wir zitieren § 253 Abs. 3 Satz 1 HGB)

„Bei Vermögensgegenständen des Anlagevermögens, deren Nutzung zeitlich begrenzt ist, sind die Anschaffungs- oder die Herstellungskosten um planmäßige Abschreibungen zu vermindern.”

Daher wird von den Abschreibungen der Gewinn gemindert, auch wenn in einem bestimmten Jahr keine Anschaffungskosten bzw. Herstellungskosten angefallen sind. Durch das Prinzip der Abschreibung wird jedoch der auf das Anschaffungsjahr bezogene Gewinn erhöht. Der Grund dafür ist, dass in diesem Jahr die Kosten für die Anschaffung des Gutes nicht komplett angesetzt werden können.

Die betriebswirtschaftlichen Abschreibungen

Selbst betriebswirtschaftlich ergeben Abschreibungen Sinn. So ist es dem Unternehmen möglich, in jedem Jahr einen Betrag zurückzulegen, der für die Anschaffung bzw. Herstellung neuer Vermögensgegenstände benötigt wird, wenn die abgeschriebenen Gegenstände nicht mehr verwendet werden können. Die Abschreibungen dienen dazu, die Wertverluste beim Anlage- und Umlaufvermögen im Rechnungswesen zu erfassen. Dazu gehören neben den planmäßigen Abschreibungen in Ausnahmefällen auch die außerplanmäßigen.

Es gibt unterschiedliche Abschreibungsmodelle:

  • Die lineare Abschreibung: Sie stellt die Regelform der Abschreibung im Steuer- und Bilanzrecht dar. Die Wertminderung wird jährlich mit gleichbleibenden Beträgen erfasst.
  • Die degressive Abschreibung (Buchwert-AfA): Hier handelt es sich um die Erfassung der Wertminderung durch Abschreibung mit kontinuierlich fallenden Jahresbeiträgen. Jedoch ist diese nur noch zulässig für Wirtschaftsgüter, die vor dem 31. Dezember 2010 angeschafft wurden.
  • Die direkte Abschreibung: Eine Buchungstechnik, von der das Anlagenkonto um die Abschreibung gemindert wird.
  • Die indirekte Abschreibung: Eine Buchungstechnik, von der über einen Passivposten („Wertberichtigung“) abgeschrieben wird.
  • Die leistungsbezogene Abschreibung: Eine Abschreibungsmethode für Anlagegüter, deren Leistung erfahrungsgemäß erheblich schwankt.
  • Die planmäßige Abschreibung: Eine Abschreibung über eine bestimmte Nutzungsdauer, die zuvor festgelegt wird und sich teilweise an den gesetzlichen Vorgaben der AfA-Tabellen orientiert.
  • Die außerplanmäßige Abschreibung: Dabei handelt es sich um die Erfassung von Abnutzungen, die nicht planmäßig entstanden sind.
  • Die kalkulatorische Abschreibung: Die Berechnung des tatsächlichen Werteverzehrs.

Was ist eine AfA-Tabelle?

Wenn das Unternehmen nicht weiß, für wie viele Jahre es für die Nutzungsdauer der einzelnen Wirtschaftsgüter ansetzen muss, dann hat es die Möglichkeit, auf die sogenannten AfA-Tabellen zurückzugreifen. Herausgegeben werden diese vom Bundesministerium für Finanzen. Allerdings stellen sie nur ein Hilfsmittel dar und sind nicht rechtsverbindlich. Dies Unternehmen kann in Einzelfällen von der Nutzungsdauer, die in den Tabellen angegeben ist, abweichen. Die Tabellen sind nach der Art der Wirtschaftsgüter gegliedert:

  • Anlagevermögen (unbeweglich)
  • Grundstückseinrichtungen
  • Allgemeine Betriebsanlagen
  • Fahrzeuge
  • Bearbeitungs- und Verarbeitungsmaschinen
  • Betriebs- und Geschäftsausstattung
  • Sonstige Anlagegüter

Die Abschreibungen im Rechnungswesen: So wird gebucht

Die Abschreibungen stellen aus der Sicht des Rechnungswesens eine Wertminderung bzw. einen „Werteverzehr“ dar, bis die Güter endgültig abgeschrieben sind. Die Abschreibungen mindern als Aufwand den Gewinn des Unternehmens.
Die wichtigste Formel berechnet den Betrag, den der Unternehmer in jedem Jahr linear abschreiben darf/muss:

  • Abschreibungsbetrag pro Jahr = Anschaffungskosten (Herstellungskosten) / planmäßige Nutzungsdauer in Jahren

Sollte das Wirtschaftsgut nicht am Anfang des Jahres angeschafft werden, dann gilt für das erste Jahr folgende Formel:

  • Abschreibungsbetrag im ersten Jahr = Jahresabschreibungsbetrag × Monate der Nutzung / 12

Ein Beispiel für die Abschreibung eines Fahrzeuges

Ein Firmenfahrzeug wird für 50.000 Euro erworben. Auf dem aktiven Bestandskonto wird daher wie folgt im Soll gebucht:

Fuhrpark 50.000 Euro an Bank 50.000 Euro

Bei der linearen Abschreibung wird dann auf dem Aktiv-Konto mit der Bezeichnung „Fuhrpark“ über die nächsten fünf Jahre wie folgt gebucht:

Abschreibung 10.000 Euro an Fuhrpark 10.000 Euro

In jedem Jahr verringert sich der Saldo des Fuhrpark-Kontos um 10.000 Euro und das geht so lange, bis das Wirtschaftsgut nicht mehr vorhanden ist – im Normalfall fünf Jahre. Dagegen steigt das Konto „Abschreibung“ in jedem Jahr und mindert dadurch den Unternehmensgewinn.

Wie wird ein geringwertiges Wirtschaftsgut abgeschrieben?

GWG: Das ist die Abkürzung für geringwertige Wirtschaftsgüter. Auch die GWG weisen eine beschränkte Nutzungsdauer auf und unterliegen daher ebenfalls der Wertminderung. Doch für sie gelten besondere Bestimmungen über Abschreibungen. So ist es dem Unternehmen möglich, einen Sammelposten der GWG’s zu bilden, die dann zusammen abgeschrieben werden. Im Einzelnen gilt für die GWG folgendes:

  • Alle Anschaffungen unter 150 Euro sind GWG’s und werden sofort zu 100% abgeschrieben
  • Bei Anschaffungskosten zwischen 150 und 410 Euro kann der Unternehmer wählen:
    • Abschreibung im Anschaffungsjahr zu 100%
    • Abschreibung als Sammelposten über fünf Jahre