Vor einigen Jahren gab es ein Wort im Finanzbereich, welches auch in den Medien in aller Munde war, nämlich die sogenannte Kreditklemme. Heute wird kaum noch davon gesprochen, aber dennoch gibt es nach wie vor Situationen, in denen eine Kreditklemme auftreten kann. Daher erfahren Sie in unserem Beitrag, worum es sich bei der Kreditklemme handelt und was die Auslöser einer derartigen Situation sein können.

Worum handelt es sich bei einer Kreditklemme?

Der Begriff Kreditklemme ist er umgangssprachlich und bezeichnet eine Einschränkung, die im Hinblick auf das zu vergebende Kreditvolumen seitens der Banken besteht. Die Auslöser und Gründe für eine Kreditklemme können dabei ganz unterschiedlich sein, gehen aber in aller Regel vom einzelnen Kreditgeber selbst aus. So kann es zum Beispiel passieren, dass eine Bank intern beschließt, weniger Kredite zu vergeben oder strengere Maßstäbe bei der Beurteilung der Bonität anzulegen. Prinzipiell wird meistens dann von einer Kreditklemme gesprochen, wenn Bankinstitute ihre Darlehensvergabe insbesondere an Unternehmen prinzipiell drosseln oder auch komplett einstellen. Dies geschieht dann vor dem Hintergrund, dass es aufgrund der Marktverhältnisse eigentlich möglich wäre, mehr Kredite zu vergeben. Die Kreditklemme ist also keine Situation, in der die Banken dazu gezwungen sind, das Volumen der vergebenen Kredite einzuschränken.

Was sind Auslöser einer Kreditklemme?

Es gibt mehrere Auslöser der Kreditklemme, die in der Praxis dazu führen können, dass Banken ihr Volumen an zu vergebenden Darlehen begrenzen oder sogar erheblich reduzieren. Häufiger sind es vor allem die folgenden Auslöser, die bei einzelnen Kreditinstituten oder manchmal auch innerhalb der gesamten Branche zu einer Kreditklemme führen können:

  • Liquidität hat sich verschlechtert
  • Probleme bei der Refinanzierung
  • Änderung der Geschäftspolitik
  • In den angesprochenen Fällen besteht ein Grund für die Kreditklemme häufiger darin, dass es den Kreditinstituten an Eigenkapital mangelt. Ein Grund dafür wiederum kann eine Verschuldungssituation der Banken sein, aber auch generelle Veränderungen am Markt, wie sie sich vor allem in der Finanzkrise gezeigt haben, können eine Kreditklemme auslösen.

    Wann spricht man nicht von einer Kreditklemme?

    Wie eingangs bereits erwähnt, wird nicht automatisch immer von einer Kreditklemme gesprochen, nur weil eine Bank weniger Kredite vergibt. Untypisch für eine Kreditklemme ist zum Beispiel, dass Kreditgeber nur deshalb einen Darlehensantrag ablehnt, weil die Bonität des Kunden nicht ausreichend ist. Dies kann daraus resultieren, dass die Bank vielleicht strengere Maßstäbe anlegt, was allerdings nicht zu einer generellen Kreditklemme führt und auch nicht als solche bezeichnet wird. Darüber hinaus kann es passieren, dass die Bank – vielleicht aufgrund einer Änderung der Geschäftspolitik – an Unternehmen innerhalb bestimmter Branchen weniger Kredite vergeben möchte.

    Eventuell geschieht dies, weil diese Branchen als risikoreich angesehen werden, sodass man schlichtweg vorsichtiger mit der Bereitstellung von Kapital ist. Auch in diesem Fall hat dies nichts mit einer typischen Kreditklemme zu tun. Ein weiterer Punkt, der ebenfalls keine Kreditklemme ist, ist ein Rückgang der Nachfrage seitens der Kreditsuchenden. Dann würden zwar in der Summe auch deutlich weniger Kredite oder geringere Volumen vergeben, aber natürlich hat dies nichts mit einer typischen Kreditklemme zu tun.

    Schlechte Kernkapitalquote als mögliche Auslöser der Kreditklemme

    Wenn von einer Kreditklemme gesprochen wird, dann fällt in diesem Zusammenhang oftmals auch der Begriff der Kernkapitalquote. Gemeint ist damit die Quote, welche die eigene Mittel der Bank an den insgesamt zur Verfügung stehenden Kapitalmitteln haben. Abhängig ist die Kernkapitalquote vor allen Dingen von Kreditbeständen des Institutes, die bekanntlich eine Aktivposition der Bilanz darstellen. Sollte sich nun, beispielsweise aufgrund eines verschlechterten Ratings, auch die Beurteilung dieser Aktiva verschlechtern, würde dies dazu führen, dass die Kernkapitalquote geringer ausfällt. Dies wiederum ist aufgrund der sogenannten Solvabilitätsgrundsätze eine Ursache dafür, dass die Banken weniger Kredite vergeben können. Damit diese Situation wieder verbessert werden kann und sich die Kernkapitalquote erhöht, haben Banken die Aufgabe, das eigene Kernkapitalquote entweder zu vergrößern oder stattdessen die vorhandenen risikobehafteten Aktiva zu verringern.