Eigenkapitalquote

Bei der Eigenkapitalquote handelt es sich um eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die das Verhältnis von Eigenkapital zum Gesamtkapital (=Bilanzsumme) eines Unternehmens wiedergibt.

Die Definition des Begriffs Eigenkapitalquote

Der Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital (Bilanzsumme) wird als Eigenkapitalquote bezeichnet und in Prozent (%) ausgedrückt. Die Formel für die Berechnung lautet:

Eigenkapitalquote = Eigenkapital / Gesamtkapital

Bei der Eigenkapitalquote handelt es sich um einen der Indikatoren für das Risiko und die Bonität des Unternehmers:

Eine hohe Eigenkapitalquote = eine geringe Verschuldung im Umkehrschluss, wodurch das Risiko der Insolvenz aus Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit verringert wird, aber u. a. auch die Eigenkapitalrentabilität.

Durch verschiedene Maßnahmen ist es möglich, die Eigenkapitalquote zu erhöhen. Beispielsweise durch:

  • Kapitalfreisetzung
  • Kapitalerhöhung
  • Gewinneinbehaltung

Die Eigenkapitalquote berechnen: So funktioniert’s

Zum Ende des Wirtschaftsjahrs weist die Bilanz eines Unternehmens ein Eigenkapital von 300.000 Euro auf. Das Gesamtkapital bzw. die Bilanzsumme beträgt 1 Mio. Euro.

EK Quote Berechnung

Damit beträgt die Eigenkapitalquote 300.000 / 1.000.000 = 0,3 = 30 %

Welche Probleme gibt es durch die Eigenkapitalquote?

Wird einmal angenommen, dass der Unternehmer es schaffen kann, mit seinen Lieferanten längere bzw. doppelt so lange Zahlungsziele zu vereinbaren, dann würden sich dadurch seine Verbindlichkeiten aus Lieferungen um 200.000 auf 400.000 Euro erhöhen. Dabei wird angenommen, dass das Bankguthaben entsprechend um die 200.000 Euro ansteigt.

So wird die Eigenkapitalquote berechnet

Damit beträgt die Eigenkapitalquote: 300.000 / 1.200.000 = 25 %

Das bedeutet, dass sich die eigentlich positive Entwicklung, ein längeres Zahlungsziel und eine dadurch höhere Liquidität, in diesem Beispiel auf die Eigenkapitalquote negativ auswirkt. Würde die erhöhte Liquidität jedoch bspw. dafür genutzt, die Bankkredite von 200.000 Euro zurückzuführen, dann würde die Eigenkapitalquote zumindest gleich bleiben.

Von manchen Unternehmen oder Analysten wird eben aus diesem Grund im Nenner der Formel nicht das Eigenkapital eingesetzt, sondern die Summe aus Eigenkapital und langfristigem, verzinslichen Fremdkapital – die kurzfristigen Verbindlichkeiten werden dabei ausgeklammert.

Wie groß sollte die Eigenkapitalquote für eine Investition sein?

Die Eigenkapitalquote zählt zu den wichtigsten Aktienkennzahlen, wenn es darum geht, die Sicherheit und die Finanzkraft von eines Aktieninvestments zu überprüfen. Der Lehrmeister von Warren Buffett, Benjamin Graham, vertrat die Ansicht, ein Unternehmen müsse mindestens eine Eigenkapitalquote von 50 % besitzen, doch heute stellt das für die Unternehmen eine sehr große Hürde dar.

Eine Eigenkapitalquote von mehr als 30 % ist aus der Sicht vieler Value-Analysten ausreichend. Eine allgemeine und feststehende Regel, wie hoch die Eigenkapitalquote mindestens ausfallen sollte, gibt es nicht.

Jedoch besagt eine Faustregel aus der Praxis, dass ein Unternehmen, sofern es solide finanziert ist, eine Eigenkapitalquote größer als 30 % aufweisen sollte. Beträgt die Eigenkapitalquote lediglich zwischen 20 und 30 %, dann sollte ein positiver Trend Richtung 30 % erkennbar sein. Bei Unternehmen, in denen die Eigenkapitalquote unter 20 % liegt, ist Vorsicht geboten und ein Investment nur in Ausnahmefällen zu empfehlen.

Kommt es zur Berechnung der Eigenkapitalquote für einen Konzern, dann werden das Eigenkapital und die Anteile im Fremdbesitz (Minderheitenanteile) mit einbezogen, denn diese stellen ebenfalls eine Eigenfinanzierung dar.

Die durchschnittliche Eigenkapitalquote

In Deutschland liegt die durchschnittliche Eigenkapitalquote zwischen 20 und 25 %. Dafür gibt es folgende Gründe:

  • Traditionelle Kreditfinanzierungen

Dass der Wert so gering ist, liegt zum einen an der vorherrschenden traditionellen Kreditfinanzierung (Sparkassen, Raiffeisenbanken, private Geschäftsbanken), während in anderen Ländern ein ausgeprägter Kapitalmarkt besteht, durch den die entsprechenden Eigenkapitalfinanzierungen über die Ausgabe von Aktien an Investoren möglich ist.

  • Häufigste Rechtsform

Viele Unternehmen sind Einzelunternehmen, offene Handelsgesellschaften (OHG) oder Kommanditgesellschaften (KG). Diese erfordern kein Mindestkapital, doch „im Hintergrund“ haften die Gesellschafter zusätzlich mit dem Privatvermögen, so dass das haftende Eigenkapital, das jedoch nicht in der Bilanz ausgewiesen wird, höher ist.

Die Bedeutung der Eigenkapitalquote

Die Vorteile einer hohen Eigenkapitalquote liegen auf der Hand:

  • eine höhere Kreditwürdigkeit (Bonität), wobei ein hoher Eigenkapitalanteil auch zugleich eine geringere Verschuldung bedeutet.
  • Ein geringeres Risiko aus den Insolvenztatbeständen
    • Überschuldung, das Eigenkapital dient als Verlustpuffer
    • Zahlungsunfähigkeit, es sind geringere Zahlungen für Zins und Tilgung zu leisten.
  • Eine höhere Unabhängigkeit, da das Unternehmen in Finanzierungsfragen weniger auf Fremdkapitalgeber angewiesen ist, bspw. die Verlängerung von Krediten.

Die Nachteile einer hohen Eigenkapitalquote

Jedoch wirkt sich eine hohe Eigenkapitalquote auch negativ auf die Eigenkapitalrentabilität aus (vgl. Leverage-Effekt).

Wie kann die Eigenkapitalquote erhöht werden?

Durch Maßnahmen auf der Aktivaseite und der Passivaseite der Bilanz ist es möglich, die Eigenkapitalquote zu erhöhen:

Aktivaseite:

  • Kapitalfreisetzungsmaßnahmen

Passivaseite:

  • Kapitalerhöhungen (Außenfinanzierung)
  • Gewinnthesaurierung (Innenfinanzierung)

Bei gleichbleibender Bilanzsumme kann die Eigenkapitalquote dadurch erhöht werden, dass das Fremdkapital durch Eigenkapital ersetzt wird oder das Unternehmen die Bilanzsumme heruntersetzt. Das geschieht, indem das Vermögen reduziert wird, bspw. durch die Reduktion der Vorräte, der Forderungsaußenstände oder das Anlagevermögen.