Karenzzeit

Die Karenzzeit ist nicht unbedingt ein Begriff, der vorrangig aus dem Finanzbereich bekannt ist. Stattdessen wird die Bezeichnung in mehreren Bereichen verwendet, wie zum Beispiel in der Politik, bei Versicherungen, Finanzierungen sowie in der Wirtschaft im Allgemeinen. Gemeint ist mit der Karenzzeit ein bestimmter Zeitraum, wobei dieser in aller Regel eine Pause von einer bestimmten Tätigkeit darstellt.

Worum handelt es sich bei der Karenzzeit?

In den meisten Fällen wird der Begriff der Karenzzeit entweder verwendet, um die Pause darzustellen, die zwischen zwei Tätigkeiten gemacht wird. Oder aber, es wird ein Zeitraum betitelt, der eine Bedeutung für bestimmte Leistungen hat, die in einem Vertrag festgehalten wurden. So findet die Karenzzeit beispielsweise im Versicherungs- oder auch im Bankwesen ihre Anwendung. Im Versicherungsbereich wird ein Zeitraum als Karenzzeit bezeichnet, innerhalb dessen die Versicherung bereits abgeschlossen wurde, es aber noch keine Leistungen gibt. Im Finanzierungsbereich hingegen ist mit der Karenzzeit der Zeitraum gemeint, der mit der Kreditauszahlung beginnt und mit der ersten Ratenzahlung endet.

Die Geschichte der Karenzzeit

Schaut man in die Geschichte der Karenzzeit zurück, so war deren Bedeutung natürlich eine etwas andere als heute. Zur Zeit des Kaiserreichs in Deutschland handelt es sich bei der Karenzzeit um eine bestimmte Auflage, die Wanderarbeitern gemacht wurde. Diese bestand darin, dass Arbeitskräfte aus dem Ausland in jedem Jahr, in dem sie in Deutschland arbeiteten, auch für einen bestimmten Mindestzeitraum wieder in ihre Heimat zurückkehren mussten. Der Sinn und Zweck dieser Auflage bestand darin, dass sich die Arbeiter nicht dauerhaft in Deutschland niederlassen.

Die Bedeutung der Karenzzeit im politischen Bereich

Oft ist der Begriff der Karenzzeit aus den Medien bekannt, nämlich im Zusammenhang mit Berichten über die Politik. In dieser Sparte ist die Karenzzeit der Zeitraum, der zwischen der Tätigkeit in einem wirtschaftlichen Bereich und der in einer politischen Funktion einer Person liegt. Die Zeit gilt jedoch auch für die umgekehrte Zeitfolge, also für den Fall, dass eine Person von der Politik in die Wirtschaft wechselt, wie es bei ehemaligen Bundesministern oder auch Bundeskanzlern durchaus nicht unüblich ist. In den Medien wird meistens dann von der Karenzzeit gesprochen, wenn ein Politiker nach dem Ausscheiden aus seinem Amt bereits sehr zügig eine Funktion in der Wirtschaft eingenommen hat, sodass die Frage aufkommt, ob die Karenzphase eingehalten wurde.

Die Karenzzeit im Finanzierungsbereich

Von Bedeutung kann die Karenzzeit auch im Finanzierungsbereich sein, genauer gesagt bei bestimmten Unternehmensfinanzierungen. In diesem Fall bezeichnet die Karenz die Phase, die mit dem Abschluss des Kreditvertrages beginnt und endet, wenn die erste Leistung erbracht wird. Dabei handelt es sich in der Regel um die Auszahlung der vereinbarten Darlehenssumme. Die Karenzzeit dient in diesem Fall dazu, dass nicht sofort nach der Vereinbarung eines Kredites schon die erste Ratenzahlung zu leisten ist. Man spricht in dem Zusammenhang auch öfter von einem sogenannten Tilgungsaufschub.

Die Karenzzeit im Bereich der Börse

Im Wirtschafts- bzw. Finanzbereich gibt es noch eine andere Bedeutung der Karenzzeit, die etwas mit der Börse, genauer gesagt mit dem Börsengang eines Unternehmens zu tun hat. Bevor der Börsengang, der IPO, vorgenommen wird, darf für eine bestimmte Zeit keine Werbemaßnahme durchgeführt werden. Dieser Zeitraum wird mitunter auch als „Stille Phase“ bezeichnet. Das Verbot in dieser Zeit erstreckt sich vor allem darauf, dass es kein Marketing und keine Meinungsäußerungen zum vermutlichen Wert des Unternehmens geben darf. Das Ende der Karenzzeit startet meistens mit einer „Werbetour“, die auch als Roadshow bezeichnet wird.