Sollzins

Im Finanzbereich gibt es zwei große Arten von Zinsen. Zum einen sind dies die Habenzinsen, die oftmals auch als Guthabenzinsen bezeichnet werden. Zum anderen existieren mit den Sollzinsen gegenteilige Zinsen, denn diese müssen Kreditnehmer zahlen, wenn sie sich Geld leihen. Darüber hinaus gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen dem Soll- und dem Effektivzins, der ebenfalls im Zusammenhang mit der Aufnahme eines Darlehens eine Rolle spielt.

Die Sollzinsen in der Praxis

In der Praxis spielen die Sollzinsen in zwei Bereichen eine Rolle, nämlich zum einen bei der Aufnahme eines Darlehens und zum anderen, wenn Kontoinhaber ihr Girokonto überziehen. In erster Linie sind Sollzinsen von Bankkunden dann zu zahlen, wenn ein Kredit in Anspruch genommen wird. Oftmals wird daher alternativ auch von einem Kreditzins gesprochen. Solche Sollzinsen fallen in zahlreichen Darlehensbereichen an, wie zum Beispiel bei der Aufnahme eines Immobilienkredites, eines Ratenkredites oder eines anderen Darlehens, bei dem die Bank Zinsen verlangt.

Das zweite Einsatzgebiet der Sollzinsen ist auf dem Girokonto zu finden. Immer dann, wenn das Konto im Soll geführt wird, also umgangssprachlich bezeichnet überzogen ist, berechnet die Bank diese Zinsen. Die Sollzinsen wiederum lassen sich in zwei Kategorien einteilen, nämlich zum einen in die Dispozinsen und zum anderen in die Überziehungszinsen. Den Dispozins zahlt der Kunde für den Betrag, mit dem er einen genehmigten Dispositionskredit in Anspruch nimmt. Der Überziehungszins hingegen liegt meist noch einige Prozent über dem des Dispozinses, denn es handelt sich dabei um den Sollzins, den die Bank für Überziehungen entweder über den Dispositionskredit hinaus veranschlagt oder dann, wenn das Konto überzogen wurde, obwohl gar kein Dispositionskredit eingeräumt ist.

Habenzins als Gegenteil des Sollzinses

Das Gegenteil der Sollzinsen ist der Habenzins, der an Kunden für ihre Guthaben gezahlt wird, die sich beispielsweise auf einem Tages- oder Festgeldkonto befinden. Darüber hinaus gibt es auch noch einige wenige Girokonten, bei denen das kontoführende Institut ebenfalls unter Umständen einen Habenzins zahlt. Im Gegensatz zum Sollzins wird der Habenzins dem Kunden also gutgeschrieben, sodass es sich auch um einen sogenannten Guthabenzins handelt.

Wie hoch ist der Sollzins?

Wie hoch der Sollzins in der Praxis ist, lässt sich so pauschal nicht beantworten. Dazu kommt es einfach auf zu viele unterschiedliche Faktoren an, welche die Höhe des Sollzinses in der Praxis beeinflussen können. So hängt es beispielsweise bei zahlreichen Krediten insbesondere von der Bonität des Kunden ab, welchen Sollzins die Banken veranschlagen. Bei der Immobilienfinanzierung kommt beispielsweise noch die Eigenkapitalquote hinzu, die ebenfalls einen Einfluss darauf hat, welchen Sollzins der Kunde zahlen muss. Insbesondere bei Immobilienkrediten, aber auch bei anderen Darlehen, ist übrigens der Unterschied zwischen dem Sollzins und dem Effektivzins von größerer Bedeutung.

Worin unterscheiden sich Sollzins und Effektivzins?

Der Unterschied zwischen Sollzins und Effektivzins ist den meisten Verbraucher nicht bewusst, auch wenn die Banken mittlerweile bei nahezu jedem Darlehensangebot sowohl den einen als auch den anderen Zins angeben. In dem Zusammenhang wird der Sollzins häufiger auch als Nominalzins bezeichnet und es handelt sich dabei um den reinen rechnerischen Zins, der auf die Darlehenssumme anfällt. Beim Effektivzins hingegen sind noch zwei weitere Komponenten enthalten, nämlich weitere Kreditkosten, beispielsweise Gebühren, sowie die Tilgungsverrechnung. Diese fließt ebenfalls in den Effektivzins ein, nicht aber in den Sollzins. Aus den genannten Gründen ist der Effektivzins bei einem Kredit nahezu immer höher als der nominal angegebene Sollzins.